CDU Bremen diskutiert mit ukrainischem Botschafter
Der Bremer Presseclub war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die CDU Bremen am Mittwoch (11. März 2026) zu einem Gespräch über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eingeladen hatte. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Austausch zwischen dem ukrainischen Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, sowie Thomas Röwekamp MdB, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages. Die Moderation übernahm Dr. Helga Trüpel, Vorsitzende der Europa-Union Bremen.
Botschafter Makeiev schilderte anschaulich persönliche Eindrücke aus seinem Heimatland und machte deutlich, wie sehr der Krieg den Alltag der Menschen prägt. So berichtete er etwa von seiner Mutter, die seit Dezember ohne funktionierende Heizung lebe und nur eingeschränkt Strom habe. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer würden Nacht für Nacht Luftangriffe erleben und stellten sich die einfache Frage: Wann können wir endlich wieder eine Nacht durchschlafen?
Gleichzeitig betonte Makeiev die große Bedeutung der internationalen Unterstützung für die Ukraine. Deutschland sei dabei der wichtigste Partner. Für eine wirksame Verteidigung gehe es jedoch nicht nur darum, Angriffe abzuwehren. Ebenso wichtig sei es, militärische Infrastruktur anzugreifen, in der Waffen produziert, gelagert oder gestartet würden. Dafür benötige die Ukraine auch leistungsfähige Systeme wie den Marschflugkörper Taurus.
Wir brauchen nicht nur Menschen, die einen Dienst bei der Bundeswehr als Wehrdienst, sondern auch als Beruf machen. – Thomas Röwekamp
Thomas Röwekamp widersprach der verbreiteten Darstellung, Russland führe einen erfolgreichen Krieg. Tatsächlich erleide Russland sehr hohe Verluste. Gleichzeitig verwies er auf ein strategisches Dilemma Europas: Die transatlantische Zusammenarbeit mit den USA werde zunehmend schwieriger, während sich auch die gemeinsamen Wertvorstellungen stärker auseinanderentwickelten.
Mit Blick auf die militärische Lage unterstrich Röwekamp, dass zur Verteidigung auch die Fähigkeit gehöre, militärische Infrastruktur zu zerstören, von der aus Angriffe – etwa mit Marschflugkörpern – gestartet würden.
Ein weiteres Thema war die zukünftige personelle Stärke der Bundeswehr. Röwekamp machte deutlich, dass Deutschland deutlich mehr Soldatinnen und Soldaten benötige. Für die gemeinsame Verteidigung Europas seien rund 260.000 aktive Soldaten – etwa 50 Prozent mehr als heute – sowie ein deutlich größeres Reservistenpotenzial notwendig. Derzeit setze man auf Freiwilligkeit. Es müsse jedoch geprüft werden, ob dies ausreiche oder ob ein verpflichtendes Dienstjahr für alle sinnvoll sei – sei es bei der Bundeswehr, im Naturschutz, im Krankenhaus oder in anderen Bereichen. „Wir brauchen nicht nur Menschen, die einen Dienst bei der Bundeswehr als Wehrdienst, sondern auch als Beruf machen“, so Röwekamp.
Botschafter Makeiev verwies in diesem Zusammenhang auf die große Bereitschaft in der Ukraine selbst: Nach dem russischen Angriff im Februar 2022 hätten sich innerhalb kürzester Zeit Hunderttausende Freiwillige gemeldet, um Verantwortung zu übernehmen und ihr Land zu verteidigen.
Die Veranstaltung machte deutlich: Der Krieg in der Ukraine bleibt eine zentrale Herausforderung für Europa – politisch, militärisch und gesellschaftlich. Die Unterstützung der Ukraine und die Stärkung der eigenen Verteidigungsfähigkeit bleiben daher zentrale Aufgaben für Deutschland und seine Partner.